Neuss. Mit der Obertorkapelle erfuhr gestern ein kleines Gotteshaus größte Aufmerksamkeit. Kölns Erzbischof Joachim Kardinal Meisner persönlich kam, um mit den Neussern den 300. Jahrestag der Weihe dieses beinahe unscheinbaren Gotteshauses zu feiern.

Es wurde eine Feier in guter katholischer Tradition, wie Monsignore Guido Assmann, als Oberpfarrer an St. Quirin auch für das Kapellchen zuständig, betonte, denn sie verband Gottesdienst und weltliches Fest.

Am Oktavtag des Hochfestes Maria Himmelfahrt zelebrierte Meisner zuvor in der voll besetzten Quirinus-Basilika einen Gottesdienst zu Ehren der Gottesmutter. „Wir feiern Maria und damit unsere eigene Zukunft“, sagt Meisner, denn ihre Himmelfahrt trage das Versprechen auf unsere Auferstehung in sich.

Vor 300 Jahren, am 22. August 1713, wurde die Obertorkapelle der „Schmerzhaften Muttergottes“ geweiht. Ein Neubau an historischer Stelle, wie Max Tauch hervorhob, der Vorsitzende des Fördervereins Obertorkapelle. Denn der Vorgängerbau der Obertorkapelle ging auf ein Gelübde der Neusser in den schweren Monaten der Belagerung von Neuss durch das Burgunderheer im Jahr 1474/75 zurück, an das Stadtarchivar Jens Metzdorf in einem kurzen Referat erinnerte. Versprochen in Zeiten größter Bedrängnis, sei die Kapelle über Jahrhunderte immer auch ein Ort der Zuflucht gewesen. In der jüngsten Vergangenheit auch für die Schlesier, die Flucht und Vertreibung nach Neuss führten. Denn zu den sieben Schmerzen Mariens, so betonte Tauch, „gehört die Flucht.“

Nach der Festschrift, die der Förderverein zum Jubiläum initiierte, wurde gestern für die abschließende Feier am Obertor ein Andachtsbildchen ausgeteilt. Und wer wollte, konnte die Madonna vom Obertor auch als Andenken erwerben – als Kunstdruck, gusseisern oder in Büttenpapier geprägt aber auch aus Lebkuchen gebacken.

Quelle: url / NGZ Online vom 23. August 2013